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Studienfahrt ins politische Berlin

am 01. August 2017.

Berlin 685 01Am Montag, dem 26. Juni 2017, begann unsere lang geplante Exkursion. Der Sozialkunde-LK der MSS 11 fuhr begleitet von Frau Heilmann-Cappel und FSJler Markus Bücker auf Studienfahrt ins politische Berlin! Wir verbrachten dort vier äußerst interessante Tage, die nun im Folgenden geschildert werden.

Zunächst trafen wir uns alle in Köln und fuhren gemeinsam mit dem ICE nach Berlin. Als wir dort bei strahlendem Sonnenschein endlich ankamen, bezogen wir unsere netten Appartements im Berliner Wedding. Danach stand es uns frei, einkaufen zu gehen, um im Anschluss daran gemeinsam mit der Gruppe zu kochen und einen netten Abend zu verbringen. Dies taten dann einige unseres Kurses auch, wohingegen eine kleine Gruppe von Berlinbegeisterten die Stadt erkundete und erste Eindrücke des Regierungsviertels Berlins sammeln konnte.

Jannik Stilke, Benedict Weidner

Berlin 3x2 01Am zweiten Tag unserer Exkursion startete unser umfangreiches Programm. Als erstes besuchten wir den Bundestag, der mit etwa 3 Millionen Besuchern pro Jahr das meistbesuchte Parlament der Welt ist. In einem kurzen Vortrag erläuterte uns eine Mitarbeiterin des Besucherdienstes die Geschichte des Gebäudes und die Abläufe bei Plenarsitzungen. Trotz einiger gelangweilter Schülergruppen (natürlich nicht die unsere), gelang es Frau Sonne, ihre Begeisterung für die Abläufe der parlamentarischen Demokratie auf uns zu übertragen. Vor unserem Gespräch mit dem Bundestagsabgeordneten und früheren Bundesumweltminister Dr. Norbert Röttgen genossen wir den Blick über Berlin aus der Kuppel des Reichstages.

In der anschließenden Diskussion, für die sich Herr Röttgen trotzt anstrengender letzter Sitzungswoche extra für uns eine Stunde Zeit genommen hat, sprachen wir über die für Freitag, den 30. Juni, kurzfristig angekündigte Abstimmung über eine Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften mit der Ehe. Da er auch Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses ist, tauschten wir auch unsere Meinungen über den aktuellen Zustand der EU mit Fokus auf den Brexit aus. „Wir erleben eine historische Veränderung, von der die Schülergeneration in 20 Jahren in den Geschichtsbüchern lesen wird: Brexit, Krieg in der Ukraine, Besetzung der Krim, Flüchtlingsströme, Bruderkämpfe zwischen Sunniten… und jetzt auch noch Trump!“, so Röttgen. Seiner Meinung nach seien unsere politischen Parteien zu oft im eigenen Biotop verhaftet, statt strategisch die wirklichen Probleme anzugehen. Deutschland und Frankreich müssten gemeinsam Europa neue Stärke verleihen. Es gäbe einen Ruf nach Gestaltung und Verantwortung – gerade auch Deutschlands in der Welt.

Berlin wide 01Nach einem kurzen Mittagssnack begaben wir uns zur Gedenkstätte Hohenschönhausen. Hier hatte das Ministerium für Staatssicherheit (Stasi) während der DDR-Zeit ein Untersuchungsgefängnis. Dort wurden vor allem politische Gegner unter sehr schlechten Bedingungen inhaftiert, systematisch verhört und gefoltert. Wir fanden die Führung sehr informativ, da wir zu diesem Thema zu wenig Vorkenntnisse hatten.

Den Abend ließen wir mit einem politischen Kabarett, „Wohin mit Mutti“ ausklingen. Es war richtig gut, dass wir einmal politische Satire live erleben durften.

Paul Gasber, Tobias Schamel

Berlin 3x2 02Unser dritter Tag in Berlin begann mit dem Besuch des Mauermuseums an der Bernauer Straße. Besonders beeindruckend war es, die noch erhaltenen Mauerstücke zu sehen, die in ihrem Zwischenraum den Todesstreifen bildeten. Es war schon erschreckend, vor Ort zu sehen, wie Lebensadern einer Stadt einfach getrennt und Nachbarn über Nacht plötzlich zu Bürgern zweier komplett entgegengesetzter politischer Systeme wurden. Was wir bisher nur in Geschichtsbüchern gelesen hatten, erlebten wir jetzt hautnah.

Danach fuhren wir zu einem weiteren Mahnmal, der Holocaustgedenkstätte, die an die Ermordung der 6 Millionen Juden während der Zeit des Nationalsozialismus erinnert. Die meisten von uns fanden, dass durch die hohe Zahl der Besucher die Wirkung nicht so war, wie wir uns das vorgestellt hatten: eher ein Tourismusmagnet als eine Gedenkstätte.

Berlin 685 02Zu Mittag aßen wir in der Landesvertretung von NRW, in der wir danach eine angeregte Diskussion mit dem Leiter der Dienststelle, Herrn Volker Meier, hatten. Dieser muss jedoch aufgrund des Regierungswechsels seinen Posten räumen. Man merkte ihm an, dass ihm dies nicht leichtfällt. Dennoch machte er uns eindringlich klar, dass dies eine der Errungenschaften der Demokratie sei – einen reibungslosen Machtwechsel zu organisieren. Regieren ist eben immer nur Macht auf Zeit. Er erläuterte uns die Aufgaben der Landesvertretung, berichtete uns z.B. über die Absprachen der Ministerpräsidenten in diesem Außenposten NRWs, bevor es zu einer Abstimmung im Bundesrat kommt.

Berlin 3x2 03Diesen besuchten wir anschließend. Das imposante Gebäude mit seiner wechselvollen Geschichte hinterließ, nach der netten Führung durch Herrn Falk, Eindruck bei uns. Nachdem wir einen Blick hinter die Kulissen tätigen durften und auf der Besuchertribüne über die Eigenheiten der Arbeit im Bundesrat aufgeklärt wurden, durften wir selbst ganz hautnah Politik erleben: ein durchgeführtes Rollenspiel zu einer Gesetzesvorlage der Bundesregierung (Grundeinkommen für alle) veranschaulichte uns die Arbeit des Rates. Es machte viel Spaß, die einzelnen Landesinteressen zu erkunden, Koalitionen zu schmieden, um die erforderliche Mehrheit von 35 Stimmen zu bekommen – aber die Gesetzesvorlage fand keine Mehrheit und wurde abgelehnt.

Wir beendeten den Tag mit einem leckeren Essen in einem gemütlichen, israelischen Restaurant, nicht zuletzt, um unsere Mitschüler Lisa und Niclas zu verabschieden, die beide die Schule verlassen.

Charlotte Beck, Esther Kantorek, Lucie Mehren, Lisa Otten

Berlin 3x2 04Nachdem wir uns mit einem reichhaltigen Frühstück für den letzten Tag in unserer Unterkunft, dem Kolo 77, gestärkt hatten, ging es mit hohen Erwartungen in das Auswärtige Amt. Wir fragten uns, welche Rolle Deutschland außenpolitisch in Zeiten des Syrienkonfliktes, Donald Trumps und vielen weiteren Krisenherden spielt und hofften auf eine angeregte Diskussion.

Zunächst wurden uns die Aufgaben des Auswärtigen Amts nähergebracht. Danach erklärte man uns die Karrierechancen dort. Zum Schluss folgte die Fragerunde. Unsere Erwartungen wurden nicht ganz erfüllt: im Gegensatz zu allen anderen Terminen und Referenten hatten wir hier den Eindruck, man arbeitete sich nur durch Folien hindurch, die man ohne Weiteres auch mit einem Klick im Internet ersehen kann.

Nach unserem obligatorischen Gruppenfoto rannten wir im Anschluss im strömenden Regen Berlins zum Gendarmenmarkt, um uns dort bei warmem Kaffee und Kakao zu stärken. Danach ging es für uns zurück zum Hauptbahnhof und von dort wieder in heimatliche Gefilde.

Berlin 685 03Wir finden, dass diese Exkursion uns die im Unterricht erlernten Inhalte hautnah vermittelt und viele Querverbindungen zwischen Geschichte und Politik ermöglicht wurden. Unsere nächsten Halbjahresthemen Außenpolitik erwarten wir schon mit Spannung.

Besonders bedanken möchten wir uns an dieser Stelle bei Frau Heilmann-Cappel und Markus Bücker, die uns begleitet und diese Exkursion ermöglicht haben.

Philipp Bockshecker und Felix Keune

Bilder: Astrid Heilmann-Cappel

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