30. März 2010
Wir, die evangelischen Schülerinnen und Schüler der Klasse 5 hatten im Unterricht das Thema „Zeit und Umwelt Jesu“ begonnen. Nachdem wir uns über das Land Israel, das Klima, die Architektur usw. informiert hatten, beschäftigten wir uns mit der jüdischen Religion. Denn Jesus war ja schließlich Jude! Neben den besonderen Riten haben wir auch über die Feste gesprochen. Und darüber, dass das letzte Mahl Jesu am Vorabend des Passahfestes stattfand, am Sederabend. Dieses Mahl ist bei den Juden Auftakt für die einwöchige Passahfeier und wird ganz besonders gestaltet. Unsere Religionslehrerin, Frau Heilmann-Cappel, hatte die Idee, dass wir an einem Montagnachmittag in der 8./9.Stunde, unserer vorletzten Relistunde vor den Osterferien, dieses Sedermahl gestalten sollten. Wir informierten uns, was man so alles dafür braucht und jeder überlegte, was er mitbringen konnte oder wollte.
So kamen zusammen: Charosset (ein Mus aus Äpfeln und Nüssen), Matzen, Gemüse, Bitterkräuter (Petersilie und Meerrettich), Traubensaft (anstelle von Wein), Chickenwings und Putenwürstchen (nicht das traditionelle Lammfleisch, aber immerhin koscher, da kein Schweinefleisch), hartgekochte Eier und ein Schälchen mit Salzwasser. Nachdem uns Lino noch einmal eine kurze Wiederholung zum Sederabend und dem Passahfest gegeben hatte, las uns Frau Heilmann-Cappel eine Stelle aus dem Lukasevangelium vom letzten Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern vor (dem Sedermahl). Wir zündeten die Kerzen der Menorah (siebenarmiger Leuchter) an. Dann fragte – dem traditionellen Ablauf entsprechend – der Jüngste den Ältesten: „Was unterscheidet diese Nacht von allen anderen Nächten“? Der Älteste antwortete: „In allen anderen Nächsten können wir Gesäuertes und Ungesäuertes essen, in dieser Nacht nur Ungesäuertes“. „Warum?“ „Gesäuertes Brot dauert 6 Stunden, aber wir mussten sofort aufbrechen“. So ging es mit den Fragen weiter, bis wir alles erklärt hatten, was auf dem festlich gedeckten Tisch stand (so steht das Charosset z.B. für den Lehr, aus dem man in der Sklaverei Ziegeln formen musste und das Salzwasser für die Tränen, die man in der ägyptischen Gefangenschaft vergossen hatte.
![]() |
Nach einem Tischgebet von Julia und dem Segen aßen wir die aufgebotenen Köstlichkeiten, wobei einige zunächst skeptisch waren, wie das denn so schmeckt. Vor allem das Charosset und die Matzen beäugte man kritisch. Nachdem aber die ersten probiert und das von Simon und Jaska am Vorabend hergestellte Mus lobten, und man die von Julia selbst gebackenen Matzen stückchenweise gebrochen und miteinander geteilt hatte, machten sich alle mit großem Appetit über die Speisen her. Außer einem hartgekochten Ei blieb nichts mehr übrig! Sogar den Meerrettich hatten einige probiert – pur! Die mussten danach viel trinken, denn so scharf hatten sie ihn nicht erwartet! Zum Ende probierten wir noch einen traditionellen israelischen Tanz auf das Lied „Havanagila“ – aber da müssen wir alle noch etwas üben, die Zeit war zu knapp.
Nach den Ferien wird uns Zoes Musiklehrerin, eine Jüdin, noch etwas zur jüdischen Religion erzählen und Frau Heilmann-Cappel wird uns Bilder vom Sederabend in Israel mitbringen: sie fährt am 28.März für 2 Wochen nach Israel, genau zur Zeit des Passahfestes. Den Sederabend feiert sie am 28.März in einem Kibbuz: Wir sind schon sehr gespannt, ob denn alles auch so abläuft, wie es in unserem Religionsbuch steht!
Text: Julia Karkossa (5b), Simon Brüdern, Jaska Nuutinen (beide 5c)
Bild: Astrid Heilmann-Cappel


