11. April 2010
Was soll durch Musikvermittlungsangebote für Jugendliche erreicht werden? Wie müssen die Angebote aussehen, damit ein jugendliches Publikum seinen Weg ins klassische Konzert findet? In welchen Lebenswelten bewegen sich die potentiellen Hörer? Diese und andere Fragen diskutierten Konzerthausmanager, Dramaturgen und Leiter von Education-Programmen anlässlich eines Symposiums, um sich über Chancen und Grenzen ihrer Jugendarbeit auszutauschen. Ein Nonnenwerther Schüler war auch dabei.Die Tage vom 24. bis 26. Februar standen in Hamburg ganz im Zeichen dieser musikalischen Vermittlungsarbeit: Auf Einladung der Körber-Stiftung und der Elbphilharmonie Hamburg trafen sich – nach erfolgreichem Auftakt 2008 – zum zweiten Mal namhafte Musikvermittlungs-Experten aus Europa, den USA und Asien und diskutierten zum Thema „Musikvermittlung für Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen 15 und 25 Jahren."
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Eine Besonderheit war die Anwesenheit der jungen Zielgruppe vor Ort: Schülermanager des Jungen Beethovenfestes Bonn, Teilnehmer von „Der Schrei!“, einem Großprojekt des SWR-Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg, sowie die Mediengruppe „filmteam hamburg" berichteten von ihren Projekten und waren den erwachsenen Fachleuten wichtige Berater. Ein Nonnenwerther war hier mit von der Partie: Tobias Wolf (Jahrgangsstufe 12), Schülermanager des Beethovenfestes Bonn. „Was wollen die Jugendlichen eigentlich?“ war das Podium überschrieben, mit dem die Schülermanager den zweiten Symposiumstag eröffneten. "Schon eine interessante Aufgabe, vor internationalem Publikum in Vorträgen und in Diskussionsrunden mit Konzerthausmanagern aus aller Welt ein Projekt und seine Meinung zu vertreten!", meint der 18-jährige Nonnenwerther.
Für Dr. Klaus Wehmeier, stellv. Vorstandsvorsitzender der Körber-Stiftung, steht nach dem Symposium fest: „Wer junge Menschen für Klassik begeistern will, muss authentisch sein. Es geht darum, das zu teilen, was man selbst liebt, und nicht um Marketingaspekte für das Publikum von morgen. Wir haben von den Jugendlichen gelernt, dass sie das ‚Produkt klassische Musik‘ nicht in Frage stellen, wohl aber die Zugänge dazu. Hier hat uns die großartige Annette Dasch gezeigt, wie leicht man auch den coolsten Jugendlichen im Saal mitreißen kann. Der Weg ist jetzt bekannt – ihn zu ebnen und zu gehen, wird die Aufgabe für die Zukunft sein.“
Für Christoph Lieben-Seutter, Generalintendant der Elbphilharmonie, steht die aktuelle Debatte um die Rolle der Musikvermittlung in einem größeren Kontext. Seiner Meinung nach müssen Kulturinstitutionen im 21. Jahrhundert wesentlich breitere Bevölkerungsschichten ansprechen, wenn sie ihre Relevanz nicht aufs Spiel setzen wollen. „Die Bedeutung von Musik in den Familien hat in den letzten 20 Jahren spürbar abgenommen. Gerade für Jugendliche und junge Erwachsene müssen wir heute unwiderstehliche Angebote formulieren, und dazu gibt es tatsächlich verführerische Ideen, wie in dem Kongress im Körber- Forum deutlich wurde. Die Aufbruchsstimmung war förmlich mit Händen zu greifen.“
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Als Paradebeispiel für eine gelungene Umsetzung genau dieser Kriterien stand Starsopranistin Annette Dasch (Bild oben) am Mittwochabend, dem 24. Februar, auf der Bühne des Körber-Forums. Mit Schwester Katrin gelang es ihr, einen klassischen Liederabend an die Jugend zu bringen. Unter multimedialer Einbindung von Liedtexten und Videobeispielen sowie mit einführenden Erläuterungen zu Komponisten und Stücken animierte die herzerfrischende Annette Dasch ihr Publikum zum Singen. Ein Erlebnis, von dem die Teilnehmer auch Tage nach dem Konzert noch sprachen.
Folgende Häuser gaben im Rahmen des Symposiums einen Einblick in ihre Praxis: Concertgebouw Amsterdam, die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, das Palais der Beaux-Arts Brüssel, das Chicago Symphony Orchestra, die Tonhalle Düsseldorf, das London Symphony Orchestra und das Los Angeles Music Center.
Text: Tobias Wolf (MSS 12),
Bilder: Christina Körte, Körber-Stiftung




