Mit "Schall-May" durch das wilde Balkanesien

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1. Tag:  „Auf fremden Pfaden“

Nach 18 Stunden Busfahrt kamen wir gegen 12.30 Uhr Ortszeit in Zadar an. Im wahrsten Sinne von der Anfahrt „gerädert“, akklimatisierten wir uns und erkundeten zuerst einmal die Umgebung, u.a. den Yachthafen und diverse Sportstätten. Am Abend fuhren wir gemeinsam in die wunderschöne Altstadt von Zadar, die auf einer Halbinsel im Mittelmeer liegt. Ein Spaziergang ist hierbei fast ein kultisches Erlebnis: fast jedes Steinfragment erzählt praktisch eine eigene Geschichte. Vom antiken Forum mit der monumentalen Kirche des hl. Donatus führt zum Hauptplatz die „Siroka ulica“, die geschäftliche und gesellschaftliche Arterie der Stadt. Der Hauptplatz selbst, begrenzt von den Renaissancebauten der Stadtloge und Stadtwache ist der beliebteste Treffpunkt der heutigen Zadarer. Weiter in östlicher Richtung gelangt man zur mittelalterlichen Kirche des Heiligen Simeon, dem Schutzheiligen der Stadt, den die Einwohner Zadars nach einer Legende aus dem 13. Jh., als ein Schiff mit Reliquien unweit der Stadt Schiffbruch erlitt, verehren. Im südlichen Teil der Stadt befindet sich das mittelalterliche Stadtviertel mit engen Gassen und schmalen, steilen Häusern, in denen das Leben mit voller Intensität pulsiert. Weiter in östlicher Richtung gelangt man zum ehemaligen Festlandtor, dem Werk des Renaissance-Bildhauers Michele Sanmicheli aus dem 16. Jh.  Der überwiegende Teil des Halbinselkerns ist noch mit Befestigungsmauern umgeben, von denen sich der Blick auf das Festland bietet, u.a. auf die Fabrik, in der schon seit über hundert Jahren der weltberühmte Maraskino-Likör hergestellt wird.

An der Uferpromenade befinden sich zwei  weitere Wahrzeichen der Stadt, beide Werke des Architekten Nikola Bašic: Die 2005 erbaute Meeresorgel besteht aus 35 Röhren, die eine Länge von ca. 70 Meter besitzen und in der stufenförmig betonierten Uferpromenade eingebaut sind. Durch das ein- und ausfließende Wasser werden in diesen Röhren Töne erzeugt, welche einmalig sind und die Wellen des Meeres in Tönen wiedergeben. Alle Töne in unterschiedlichsten Tonlagen entweichen sowohl über kleine Öffnungen nach oben in den Fußweg, als auch aus seitlichen Öffnungen in den Stufen zum Wasser. So wird ein einmaliges raumergreifendes Klangbild erzeugt, welches Tag und Nacht zu hören ist. Der Gruß an die Sonne besteht aus drei Hundert mehrschichtigen Glasplatten, die auf der gleichen Ebene mit der steingepflasterten Uferpromenade kreisförmig angeordnet sind. Der Kreis hat einen Durchmesser von 22 Metern. Er wurde in Form eines Amphitheaters konzipiert. Um das Amphitheater werden auf den Steinwürfeln alle Planeten des Sonnensystems mit ihren Umlaufbahnen stilvoll dargestellt. Ein Eindruck dieses ganz besonderen Platzes vermittelt sich hier:

Zum Ausklang des Abends lernten wir die einheimische Kultur eindrucksvoll in einer „musikalischen Begegnungstätte“ kennen und tanzten zu wilden Balkanklängen.

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2. Tag: „Durch die Wüste“ zum „Schatz im Silben-See“

Nach einer zweistündigen Busfahrt durch das Velebitgebirge erwartete uns gleich zu Beginn unserer Studienfahrt eines der großen Highlights: die Plitvicer Seen. Bekannt wurden sie als Kulisse diverser Karl May Verfilmungen und sie gehören seit 1979 zum UNESCO Weltkulturerbe. Die Plitvicer Seen sind aus gutem Grund nicht nur der größte, sondern auch der älteste und bekannteste Nationalpark in Kroatien - und als eine der ersten Landschaften weltweit zum UNESCO Weltnaturerbe erklärt worden. Durch ein einzigartiges Klima zwischen Adriaeinfluss und Bergluft, durch die Lage im Schutze stolzer Gipfelketten und durch das in dieser Form einzigartige Phänomen der Travertin-Barrieren, die sich über Jahrtausende durch Kalkablagerungen gebildet haben, ist hier ein wahres Naturparadies entstanden, das sich bis heute weitestgehend bewahrt hat: Hier existieren noch immer alle Tierarten, die schon vor dem Menschen rund um die Seen zu finden waren. Viele der Pflanzen und Tiere sind an keinem anderen Ort außerhalb des Naturparks zu finden. Nach dem Mittagessen (es gab „Buchstabensuppe“…) wurde auch eine neue Sportart erfunden und seitdem auf der Studienfahrt ausgiebig trainiert: die Wortspielakrobatik. Als Herr Roth auf der Bootstour über den größten der 16 Plitvicer Seen mit seiner selbst gebastelten „Schall-May“ (Modell „Bärentöter“) die Winnetou-Melodie anstimmte, kam ein Hauch von Wildwest auf.

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3. Tag: „Hinter den Mauern“

Der Sonntag begann stimmungsvoll mit dem Besuch einer katholischen Messe in St. Donatus. Dort konnten wir hautnah erleben, wieso diese Kirche im Sommer häufig Veranstaltungsort klassischer Konzerte ist - das römische Gebäude besitzt eine prachtvolle Innenakkustik, die wunderschön den großen Kirchenchor und das vollgriffige Orgelspiel zur Entfaltung brachte. Anders als in Deutschland war die Kirche auch an einem „normalen“ Sonntag bis zum letzten Platz besetzt und die Kirchenlieder wurden inbrünstig von der Gemeinde mitgesungen, ein bewegendes Erlebnis. Nach der Messe ging es für uns dann erst weiter nach Biograd, ein Küstenstädtchen ca. 25 km südlich von Zadar. Biograd wird erstmals im 10. Jh. erwähnt und schon im 11. Jh. war sie Sitz der kroatischen Könige. Sein geschichtliches Schicksal teilt Biograd mit Zadar, als es zum ersten Mal im 12. Jh. vom venezianischen Heer und zum zweiten Mal von den eigenen Verteidigern beim Rückzug vor den Türken im 17. Jh. völlig zerstört wurde.

Nach einer kleinen Erkundung nahmen die Nonnenwerther wieder einmal eine Fähre und wir setzten  auf die Insel Pasman über, die im Volksmund „Oase der Ruhe“ genannt wird. Als wir auf der Insel ankamen, erklärte uns Herr Roth, dass wir auf den nächsten Berg wandern müssten, um zu einem Benediktiner Kloster zu gelangen. Die Gruppe war von dieser Nachricht nicht sonderlich begeistert, da niemand die richtigen Schuhe trug. Jedoch merkten wir schnell, dass der Weg zum Kloster halb so schlimm war und man während des Weges auf das gegenüberliegende Zadar blicken konnte.
Oben angekommen waren wir von dem wunderschönen Panorama überwältigt! Das blaue Meer und die wunderschönen mediterranen Häuser erstreckten sich über mehrere Kilometer.  Zu Beginn standen wir zwar vor verschlossener Klostertür (es war ja Sonntag…), doch für die freundliche Nonnenwerther Gruppe machte einer der Mönche eine Ausnahme und führte exklusiv durch das kleine Klosteranwesen. Als Dankeschön für die eindrucksvolle Begegnung überreichte Frau Zumbruch zum Abschluss noch ein Gastgeschenk (von Klosterinsel zu Klosterinsel): einen Nonnenwerther-Kalender für das Jahr 2012.

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4. Tag: „Winning-Too 1-3“

Montags veranstalteten wir eine Olympiade. Diese wurde von Frederik und Lea geleitet. In sieben spannenden Disziplinen konnten sich fünf Gruppen beweisen und als Team agieren, und zwar beim Fußball, Basketball, Volleyball, Tischtennis, bei einem Quiz und einem Rollenspiel. Hierbei sollte die berühmte Eröffnungsszene aus „Inglorius Basterds“, für die Christoph Waltz völlig zu Recht den ersten Oscar für einen deutschsprachigen Schauspieler seit Luise Rainer 1938 erhielt, von jeder Gruppe frei weitergespielt werden. Vor der Siegerehrung und der Preisverleihung an die besten drei Teams wurden noch unsere Kroatienkenntnisse durch die vorbereiteten Referate vertieft u.a. in den Gebieten „Kunst und Kultur“, „Flora und Fauna“, „Land und Leute“ oder der „Geschichte Kroatiens“.  Besonders aktuell war hierbei der Diskurs von Kevin und Jan: „ EU-Beitritt Kroatiens – Pro und Contra“, der letztendlich zu dem Führen einer internen „EU-Liste“ der Gruppe führte, in der wir all die Punkte festhielten, die Kroatien in unseren Augen auf den Weg in die EU noch verändern muss (darunter waren so heikle Themen wie „Verschiedene Brotsorten und angemessene Aufschnitte zum Frühstück“…). Leider vergaßen wir irgendwie vor der Abfahrt, sie als Geschenk offiziell der Hostelleitung zu überreichen - aber sie ist wohl mittlerweile postalisch auf dem Weg nach Brüssel.

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5. Tag: „Durch die Schluchten des Balkans“

Für Dienstag war ein Besuch in der zweitgrößten Stadt Kroatiens Split geplant. Nach einer zweistündigen Busfahrt erreichten wir diese dann auch endlich. Begleitet wurden wir von einer netten Reiseführerin, die uns allerhand Informationen über die Stadt selbst, aber auch über Dalmatien berichtete. Das wohl größte und bedeutendste Bauwerk von Split ist der um 300 n.Chr. erbaute Diokletianpalast. Im Anschluss an die interessante Stadtführung hatten wir genügend Zeit, um in kleinen Gruppen durch die mittelalterliche Stadt zu flanieren, durch die pittoresken Gässchen zu bummeln oder  essen zu gehen. Wieder im Bus, fuhren wir in die etwas weiter westlich gelegene Hafenstadt Trogir. Ebenso wie Split zählt auch diese zu dem Weltkulturerbe der UNESCO. Wie uns unsere Reiseführerin berichtete, diente Trogir zudem als Drehort für einige Winnetou-Filme, da viele Gebäude, wie z.B. die Stadtloggia einen leicht mexikanischen Flair aufweisen. Zurück in der Jugendherberge schauten wir gemeinsam das Fußballspiel Bayern München gegen Manchester City an und ließen anschließend den Abend am Strand ausklingen.

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6. Tag:  „Die Juweleninsel“

Am Mittwoch startete die ganze Gruppe schon früh zum Hafen. Auf dem Programm stand eine Bootstour zu den Kornati-Inseln. Der Kornati-Nationalpark umfasst einen Teil der Inselgruppe der Kornaten, eines Archipels in der kroatischen Adria. Die Kornaten stellen die dichteste Inselgruppe im Mittelmeer dar und wurden 1980 als Nationalpark unter strikten Naturschutz gestellt. Die Gesamtfläche dieses Nationalparks beträgt 220 Quadratkilometer. Das Gebiet ist Karstlandschaft. Zum Nationalpark gehört auch das die Inseln umgebende (unterseeische) Meeresgebiet. Insgesamt besteht der Nationalpark aus 89 Inseln, Inselchen und Felsen. Die größte heißt Kornat. Die Vegetation auf den Inseln ist größtenteils spärlich. Die Inseln bestehen aus Kalkstein, sind entweder wenig bewachsen (Macchia) oder kahl. Es gibt weder Wasserläufe noch Quellen. Auf dem Boot wurden wir ausreichend mit Essen und Trinken versorgt. Nach dreistündiger Fahrt unter wolkenlosem Himmel erreichten wir unser erstes Ziel: den Naturpark „Telascica“. Zu bewundern gab es 160 Meter hohe Klippen, einen Salzsee und das wunderschön türkisfarbene Meer. Nach zwei Stunden Aufenthalt ging es weiter zu einem nächsten Stop: eine weitere Insel, die darauf  wartete, von uns erobert zu werden.

Der letzte Abend wurde in Erinnerung an die vielen Schulfahrten zuvor standesgemäß mit einer Disco begonnen, dafür bekamen wir den „Partyraum“ der Jugendherberge, samt Discokugel und Ostblock-Charme. Abschließend gingen wir alle gemeinsam zum Strand und blickten auf die wunderschönen Tage zurück. Selbst die örtliche Polizei verabschiedete sich von uns; just in dem Moment, in dem wir ein kleines Lagerfeuer mit der „Zeit“ mühsam entzündet hatten! (folgender Dialog entstand dabei: „Was machen hier?“ – „Hm, ein kleines Lagerfeuer…“ – „Ist erlaubt in Deutschland?“ – „Nun ja, kommt darauf an, wo und wann, also im Prinzip ist die Frage etwas unscharf gestellt. Man müsste zur genauen Beantwortung die Frage etwas eingrenzen, im Prin-…“ – „Machen aus!!!“ – „O.k., das ist konkret. Zum Glück ist zum Auslöschen ja auch genug Wasser da…“)

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7. Tag: „Die Sklavenkarawane“

Nach einem letzten Vormittag in Zadar traten wir gegen Mittag die Heimreise an. Unsere Lehrer versuchten auch auf den letzten Metern den Bildungsauftrag ernst zu nehmen und verordneten für das Bordkino zuerst Arte-Themenabend-kompatible Streifen aus dem Fundus von Herrn Roth an, ehe am späten Abend zum Ausklang der Fahrt und zur allgemeinen Erleichterung doch noch Popcornkino geboten wurde. Erschöpft, aber auch voller Eindrücke kamen wir am frühen Morgen in Rolandseck an.  

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Texte: Johannes Rüth, Frederik Buballa, Dennis Haesen, Delilah Veithen, Juliane Schneider, Hendrik Esser, Simone Menden, Fabian Herzig, Carola Droste, Rosa Beschorner, Auszüge verschiedener Referate und Reiseführer; Zusammenfassung Herr Roth.
Bilder: Fabian Herzig, Johannes Rüth, Dennis Salscheider und Elisa Kröger

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