Nonnenwerther Wahl zum "Wort des Jahres"

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In der letzten Stunde vor den Weihnachtsferien wählte einer der Deutsch-Grundkurse der Jahrgangsstufe 12 erstmals auf Nonnenwerth das „Wort des Jahres“. Zur Auswahl standen Begriffe, die im Jahr 2011 von großer Bedeutung waren oder als so genanntes „Unwort“ gelten können.

Die Wahl des Kurses fiel auf das Wort „liken“. „Liken“, so der Kurs, beschreibe mehrere aktuelle gesellschaftliche Trends gleichzeitig. Als anscheinend coolere Variante des deutschen „gefällt mir“ entstammt es dem sozialen Netzwerk „Facebook“ und symbolisiert somit den Boom dieser noch jungen Kommunikationsplattformen im Internet. Ziel des „Gefällt-mir“-Buttons sei es, spontan zu vielen Dingen seine Meinung abgeben zu können, ohne diese dabei reflektieren bzw. begründen zu müssen. Gleichzeitig, so die Schülerinnen und Schüler, werden jedoch Dinge durch das „Liken“ aufgewertet und wichtig, die im Grunde belanglos sind: „Bin gerade bei McDonalds.“ – „Gefällt mir.“ Damit gehe auch einher, dass der Gebrauch des „Likens“ inflationär werde. „Liken“ trage so zu einer weiteren Banalisierung der Sprache und der Kommunikation bei, denn „geliked“ werden kann alles: „Bin endlich von Omas Beerdigung zurück.“ – „Gefällt mir.“

Aber auch andere Aspekte spiegeln sich in diesem Anglizismus wider: „Liken“ steht für das Mitteilungsbedürfnis vieler Menschen im Internet, es markiert die wachsende gesellschaftliche Relevanz der sozialen Netzwerke genauso wie die zunehmende Diskussion darüber, es ist Symbol für eine politisch überkorrekte Gesellschaft, die das Gegenteil nicht zulassen will: Facebook gibt dem Benutzer nicht die Möglichkeit, etwas zu „disliken“.

Auf den zweiten Platz wählte der Kurs den „Arabischen Frühling“, der das bedeutendste politische Ereignis des vergangenen Jahres benenne; die „Dönermorde“ wurden auf Platz 3 gewählt. Hier verweisen die Kursteilnehmer auf die taktlose Missverständlichkeit des Begriffs, der so zu einem weiteren Unwort werde.

Weiterhin standen zur Auswahl:
Her Royal Hotness (Boulevard-Bezeichnung für Kate Middletons Schwester),
Burnout,
das App,
Euro-Rettungsschirm,
Restrisiko,
der Wetten-Dass-Nachfolger,
Stresstest,
Freizeitstress,
zeitnah,
Energiewende,
Sommer 2011,
Bundestrojaner,
Piratenpartei.

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Text: Kursmitglieder und Marcus Pfitzenreuter, Bilder: Eva Butschkau


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