Zum Schluss war es ein Wettlauf mit der Zeit. Wer das erste bemannte Solarboot eine Woche zuvor in der Schiffswerft gesehen hatte, mochte nicht glauben, dass man den für den Stapellauf vorgesehenen Termin würde halten können. Und doch konnte das Boot am Vorabend der Taufe zu Wasser gelassen werden. Am letzten Mittwoch, dem 11. Juni 2008, wurde es in Anwesenheit von zahlreichen Ehrengästen und unter großem Presseaufgebot getauft.

Der Bau des Solarbootes ist einer der Bausteine der AG Naturwissenschaft. Um die Begabungen unserer Schülerinnen und Schüler nicht durch Freistunden brach liegen zu lassen, wurde vor Jahren eine Alternative zu der freiwilligen 3. Fremdsprache geschaffen. Den Schülerinnen und Schülern werden zahlreiche Einblicke in die Bereiche Naturwissenschaft und Technik ermöglicht. Sie bauen u.a. Roboter, beschäftigen sich mit Biosensorik - und konstruierten und fertigten nun ein bemanntes Solarboot.

Es werden vielerorts Klagen geführt über den Nachwuchsmangel in den Ingenieurswissenschaften. Das Interesse an der AG Naturwissenschaft zeigt, dass wir auf einem guten Weg sind und sich die Schülerinnen und Schüler gerne mit diesem Berufsfeld beschäftigen, wenn sie sich mit lebensnahen Unterrichtsgegenständen beschäftigen können. Selbstverständlich nehmen Mädchen an der Ausbildung teil. Ihre Ausdauer und Sorgfalt beim Bootsbau hob Rainer Ritzdorf, Geschäftsführer des Werftzentrums Mittelrhein hervor. Und ihre Beteiligung an dem Projekt führte bei einer Schülerin schon zur Berufsentscheidung - sie wird Ingenieurin.

Die Taufe und Inbetriebnahme eines von Schülerinnen und Schülern gebauten Solarbootes lockte Ministerialdirigentin Barbara Mathea vom Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur Rheinland-Pfalz nach Nonnenwerth. Sie bedankte sich in einem Grußwort für die Einladung und verwies darauf, dass Nonnenwerth in einer Jahrtausende währenden Tradition von Schiffstaufen stehe.

Möglich wurde das Projekt letztlich nur durch die Aufnahme der Schule in die Junior Ingenieur Akademie. Der kommissarischer Schulleiter, Dieter Peter, hob den Weitblick der Jury der Telekom Stiftung hervor, die die Realisierungschancen dieser spektakulären Unternehmung frühzeitig erkannte. Umgekehrt betonte der Vorsitzende der Telekom Stiftung, Außenminister und Vizekanzler a.D., Dr. Klaus Kinkel, dass man nur Schulen fördere, die "Hunger" hätten. Das sei deutlich spürbar an unserem Inselgymnasium. "Nonnenwerth hat einen sehr guten Ruf." Und deshalb sei man gerne bereit, großzügig zu helfen.

Peter bedankte sich bei den Sponsoren, dem Werftzentrum Mittelrhein, der Firma Solarworld, der Görlitz-Stiftung, der Kreissparkasse Ahrweiler, dem Kreis Ahrweiler und der Firma Torgeedo und betonte, dass das Boot umweltfreundlich mit Solarenergie angetrieben wird. Mit dem Umweltgedanken verknüpft sei die Grundausrichtung der Schule. Die Bewahrung der Schöpfung sei ein wichtiges Anliegen einer franziskanischen Schule. Dafür, dass es diese Schule auch in den nächsten Jahrzehnten noch gebe, sorgten die Franziskanerinnen von Nonnenwerth, die besonders in den letzten Jahren außerordentliche Anstrengungen unternähmen, diese Schule in die Zukunft zu führen.

Diesen Faden griff Provinzoberin Sr. Maria gerne auf. "Wir sorgen für die Zukunft von Nonnenwerth, denn das Franziskanische ist das Alleinstellungsmerkmal dieser Schule. Wir wollen, dass dieses Angebot in der Region bestehen bleibt."

Die Verbundenheit mit dem Kreis Ahrweiler kam im Grußwort der Beigeordneten, Frau Charlotte Hager, zum Ausdruck. Auch sie wünschte den Schülerinnen und Schülern stets eine handbreit Wasser unter dem Kiel.

Die Veranstaltung näherte sich dann mit der Enthüllung des Bootsnamens ihrem Höhepunkt. Man muss schon die Fernsehlandschaft kennen, um die Anspielung auf "Bernd, das Brot" zu verstehen. Die Schiffstaufe nahm Frau Stüpe von der Firma Solarworld vor. Man wollte allerdings nicht das Risiko eingehen, die Sektflasche an dem Aluminiumboot zerschellen zu lassen. Herr Dr. Guido Müller, der Vater der Idee und "Chef" der NW-Gruppe öffnete vorsichtshalber die Flasche, damit sich das prickelnde Nass gefahrlos über das Boot ergießen konnte.

Die Segnung nahm Diakon Wolfgang Goerg vor, der Schulgemeinschaft allerdings besser bekannt als Verwaltungsdirektor des Hauses.

Peter bedauerte, dass die Zeit zum Schluss zu knapp für ausgedehnte Testfahrten war und die Stabilität noch nicht als optimal bezeichnet werden kann. Herr Ritzdorf habe die Verbesserungspläne allerdings schon in der Schublade.

Mit einem herzlichen Dankeschön, vor allem an die Schülerinnen und Schüler der JIA und ihren Leiter, Herrn Dr. Müller, schloss Peter den offiziellen Teil und lud zu einem Imbiss in das Schulgebäude ein, wo man die Veranstaltung gemütlich ausklingen ließ.