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Zwei Amerikaner zu Gast im GK Englisch: Peter Soliman und Dr. Nathan McGee

Gepostet am 9. Dezember 2020 | Englisch, Interkulturelles, ISR, Partnerschulen

Im November 2020 war nicht nur das öffentliche Interesse an Amerika und dem Präsidenten-Wahlkampf groß, sondern auch wir im Grundkurs Englisch MSS 11 hatten unser besonderes Amerika-Highlight:

Unsere Kursleiterin, Frau Dr. Thimann-Verhey, hatte Herrn Soliman zur Diskussion eingeladen: der gebürtige Amerikaner stand uns als native-speaker zum Unterrichtsthema “The Long Struggle for Civil Rights: From Slavery to Barack Obama, the first US-President of Afro-American Origin“ Rede und Antwort, Schwerpunkt auf den heutigen USA.

Seinerseits hatte Herr Soliman noch einen Gast mitgebracht: Herrn Dr. McGee, der an unserer Partnerschule, der ISR Neuss, auch Englisch- und Geschichtslehrer ist. Es passte gut, dass Herr McGee derzeit nicht nur ebenfalls einen Englischkurs in der Jahrgangsstufe 11 unterrichtet, sondern auch das fast gleiche Thema behandelt. Außerdem hatte er sogar seine Doktorarbeit zur Schwarzen Bürgerrechtsbewegung geschrieben.

Wir waren neugierig, was die beiden uns über die USA und über die Thematik berichten würden. Frau Thimann-Verhey hatte uns schon erzählt, dass Herr Soliman im Vorfeld geschrieben hatte: „Ich kann mich noch gut erinnern, dass z.B. in meiner Schule Schwarze andere Toiletten benutzen mussten als wir“.

Zur Leitfrage, ob in den letzten Jahrzehnten Fortschritte für die Farbigen erzielt worden seien, eröffnete Herr Soliman die Stunde mit einem interessanten Porträt seines Heimatlandes im Vergleich der aktuellen Situation mit der vor rund fünfzig, sechzig Jahren.

Das Land sei damals von der weißen Mittelklasse-Schicht dominiert gewesen. Es herrschten sowohl politisch klare Verhältnisse (die konservativ-bürgerlichen Kreise wählten eher die Republikaner, die ärmeren Amerikaner eher die Demokraten) als auch wirtschaftlich stabile Zeiten mit relativ geringer Arbeitslosigkeit. Etwa 90% der Bevölkerung hätten Aktien von wichtigen Unternehmen gehabt. Soziale Gespaltenheit wie heutzutage habe es so gut wie nicht gegeben (“hardly any dividedness“) – trotz diskriminierender Rassentrennung. Im Allgemeinen seien die Amerikaner in ihrem großen und faszinierenden Land zufrieden und verankert gewesen – nur wenige reisten ins Ausland; politisch kümmerte sich Amerika wenig um den Rest der Welt, vielleicht auch, weil es sich wirtschaftlich weitgehend selbst versorgen konnte (“self-centered“, “not caring about the world“, “a self-sufficient country“).

Aufschlussreich für das amerikanische Selbstverständnis auch folgende Einschätzung: hätte man um 1970 gefragt, ob es einmal einen Präsidenten afro-amerikanischer Herkunft geben würde, hätte die Antwort eindeutig “never – ever!“ gelautet. Zusammenfassend meinte Herr Soliman: “ … h u g e  progress has been made!“

Mr. McGee beurteilte aus historischer Perspektive den Fortschritt für Nicht-Weiße eher negativ: 1984 gab es zwar schon einmal einen Schwarzen (Jesse Jackson), der es bis zum Präsidentschaftskandidaten gebracht hatte – aber bis zuvor sei die letzte erfolgreiche Karriere-Etappe für einige Schwarze aus den Südstaaten die Position eines Senators im Kongress gewesen, “… and that was around 1870 (!)“.

Beide Herren stimmten darin überein, dass heutzutage bei Afro-Amerikanern viel Frustration über die ungleiche Verteilung des Reichtums und der Güter herrsche; die gerade in den letzten Jahren wieder deutlich zunehmende Gewalt habe größtenteils hierin ihre Wurzeln.

Wir fragten auch nach dem Programm des neuen Präsidenten Joe Biden, was er als erste und wichtigste Aufgaben angehen werde, und hörten:

Erstens, der Kampf gegen Corona (“that will be Biden’s first and foremost concern“); zweitens die Geldströme über die offiziellen Börsenkanäle wieder in die Bevölkerung zu bringen (“from Wall Street to main street“); drittens: das amerikanische Verhältnis zu China zu verbessern. Und die Rassenfrage? Sie sei eigentlich kein Thema, zumindest kein vordringliches.

Die nächsten Fragen ließen uns die weit geöffnete Schere zwischen Arm und Reich, zwischen Weiß und Nicht-Weiß besonders eindrücklich erkennen:

Befragt nach ihrer Einschätzung der ‚Black-Lives-Matter’-Bewegung bewerteten unsere beiden Gäste diese positiv, sie habe viel zum gestärkten Bewusstsein beigetragen (“a new awareness“ / „a cultural consciousness“). Demgegenüber war es fast schon erschreckend zu erfahren, dass viele Nicht-Weiße keine Krankenversicherung haben und sich Arztbesuche und Krankenhausaufenthalte kaum leisten können; doch gerade diese Menschen sind besonders hart von der Corona-Pandemie getroffen.

Als wir anschließend die Preise für ein Apartment in New York einmal schätzen sollten, staunten die meisten wohl nicht schlecht: sie reichen von vielen hunderttausend Dollar aufwärts, bis weit über eine Million Dollar … Und wenn man bedenkt, dass der Präsidentschaftswahlkampf ca. 2 Milliarden Dollar gekostet hat (“about 2 billion dollars“), so erklärten sich uns nicht nur die sozialen Auswirkungen enormer (Einkommens-) Unterschiede, sondern auch, weshalb es nur so wenige Schwarze und Farbige als Kandidatinnen und Kandidaten gibt.

Insgesamt hochinteressante Einblicke und Hintergrundinformationen, die die Diskussion spannend machten!

Eindrücke aus unserem Kurs

„Mir hat es sehr gefallen, dass Herr Soliman und Herr McGee uns die amerikanische Mentalität nähergebracht haben und wir dadurch heutige Geschehnisse besser verstehen können. Außerdem hat mir die entspannte Atmosphäre gut gefallen.“ (Julia)

„Von der Diskussion konnte ich viel über die Lage von Schwarzen in Amerika lernen sowie darüber, wie sich das Land in den nächsten Jahren verändern könnte. Mir hat es sehr gefallen, eine Einschätzung der Lage und den Vergleich zu früher von zwei Amerikanern zu bekommen.“ (Miriam)

„Ich fand die Aussage, dass rund 82% aller Schwarzen Joe Biden gewählt hätten, wichtig.“ (Melina)

„Ich fand die Stunde sehr interessant und habe den beiden sehr gerne zugehört.“ (Maike)

„Mir hat vor allem gefallen, wie offen Herr Soliman und Herr McGee waren.“ (Mai)

„Ich fand es aufschlussreich zu erfahren, wie ein Amerikaner über sein Heimatland und die dortige Situation denkt. Ich hoffe, dass vielleicht ein ähnliches Treffen zukünftig noch einmal möglich ist.“ (Antonius)

Ja, das soll es in der Tat geben, zunächst über zoom, kommendes Jahr in der Realität: die beiden Kursleiter haben sich schon zu zoom-meetings getroffen, um uns Schülern nicht nur ein Kennenlernen zu ermöglichen, sondern auch gemeinsames Arbeiten an konkreten Themen und Materialien, “to implement something to best engage the students“ (Mr. McGee).

Vielen herzlichen Dank an unsere beiden Gäste und an Frau Thimann-Verhey! Wir freuen uns auf weitere Begegnungen und sind vor allem auf die Schülerinnen und Schüler des Parallelkurses der ISR sehr gespannt!


Text: Matilda Eichen (MSS 11)
Fotos: Frau Dr. Thimann-Verhey