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Leistungskurs Geschichte auf Spurensuche in der „Frontstadt des Kalten Krieges“

Gepostet am 29. Juni 2018 | Exkursionen, Fahrten, Geschichte

Schwarz-Rot-Gold. Überall schmückten anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft Deutschlandflaggen im Juni 2018 Straßen und Häuser. Unabhängig davon, ob und wie sehr wir uns für Fußball interessieren, so schafft es die WM doch immer wieder, die Deutschen durch einen gewissen Nationalstolz miteinander zu vereinen. Doch staatlich vereint sind die Deutschen nach jahrzehntelanger Teilungsgeschichte erste wieder seit 28 Jahren. Da im vergangenen Schulhalbjahr diese Teilungsgeschichte inhaltlicher Schwerpunkt des Unterrichts im Leistungskurs Geschichte der MSS 11 bei Herrn Ahlhaus war, entschloss sich der Kurs, in diesem Jahr den Leistungskurs Sozialkunde für vier Tage nach Berlin zu begleiten, um dort, in der „Frontstadt des Kalten Krieges“, die im Unterricht behandelten Themen zu vertiefen.

In einem Seminar in der Gedenkstätte Berliner Mauer setzten wir uns anhand von verschiedenen Quellen zu drei historischen Ereignissen an der Berliner Mauer aus den 1960er Jahren – der Flucht des Volkspolizisten Conrad Schumann über den Stacheldraht, dem neunjährigen Thomas Molitor, der vom Dach eines Wohnhauses ins Sprungtuch der West-Berliner Feuerwehr sprang und den Aktivitäten des Studios am Stacheldraht – auseinander. Die vielfältige Quellenlage aus Fotos, Zeitungsartikeln, Radiomitschnitten, amtlichen Dokumenten und Zeitzeugenberichten erforderten eine sehr kritische Herangehensweise und ein Hinterfragen der Glaubwürdigkeit historischer Überlieferungen.

Eine andere Art, Vergangenheit aufzuarbeiten, lernten wir durch den Kubaner Jorge-Luís García-Vázquez kennen, einem ehemaligen Insassen des Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen. In den 1980er Jahren war er, der in Havanna geboren wurde, als Dolmetscher in der DDR tätig. Um dem Regime zu entfliehen, stellte er Kontakt zu US-amerikanischen Diplomaten her. Dabei wurden seine Telefongespräche allerdings durch das Ministerium für Staatssicherheit abgehört und er wurde schließlich durch einen vermeintlichen Freund, der für die Stasi arbeitete, in eine Falle gelockt und verhaftet. Nach seiner Untersuchungshaft in Hohenschönhausen wurde er nach Kuba abgeschoben, wo er weiter inhaftiert war. Seine Beziehung zu seiner damaligen Partnerin wurde dadurch zerstört. Erst 1992 durfte er – nach vielen Jahren der Überwachung und des Berufsverbots – Kuba verlassen und lebt heute in Berlin.

Während im Gefängnis in den 1950er Jahren noch vermehrt physische Gewalt an den Gefangenen ausgeübt wurde, berichtete Herr García-Vázquez über eine Strategieänderung ab den 1960er Jahren. Die sogenannte operative Psychologie, auch „weiße Folter“ genannt, fokussierte sich auf eine manipulativere Art der Schädigung von Insassen. Laut García-Váquez war die NS-Zeit unter Adolf Hitler nicht die letzte Diktatur in Deutschland, sondern die vorletzte vor dem SED-Regime in der DDR.

Einen Einblick in das Schattenreich der Spionage gab der Besuch des Spionagemuseums, gerade am Schauplatz Berlin als Schnittstelle der bipolaren Welt. Neben dem Blick zurück stand hatte der Besuch angesichts der jüngsten, durch Whistleblower wie Edward Snowden ausgelösten Debatten um Überwachung im digitalen Zeitalter auch einen besonders aktuellen Bezug.

Neben der Begehung der Außenanlage der Gedenkstätte Bernauer Straße, wofür am Vortag keine Zeit war, und der Besichtigung des Mahnmals für die ermordeten Juden Europas stand am Folgetag der Besuch des Deutschen Historischen Museums an. Nach der Führung, bei der jedoch im Wesentlichen bereits aus dem Unterricht bekannte Dinge erläutert wurden, streifte der Kurs noch auf eigene Faust interessiert durch die riesige Ausstellung.

Um sich neben dem „üblichen“ Museumsprogramm auch mit einer alternativen Sichtweise auseinanderzusetzen, besuchten wir noch das erst zu Jahresbeginn eröffnete Museum des Kapitalismus in Kreuzberg, das uns aufgrund seiner für ein Museum doch sehr eindeutig herausklingenden Forderung nach einer besseren Gesellschaft anstelle des Kapitalismus zwar beeindruckte und zur Diskussion anregte, aber nicht unbedingt vollends überzeugte.

Der Besuch des Reichstagsgebäudes und eine Führung mit dem Schwerpunkt der Parlamentsgeschichte am Rückreisetag rundete die Berlinfahrt eindrucksvoll ab.

Mit dem sicheren Gefühl, dass Berlin durch seine bunte Vielfalt aus weitaus mehr als aus den uns bekannten 3 Farben besteht und als deutsche Hauptstadt auch in der heutigen Zeit als Mahnmal für Millionen von Ermordeten und Verschleppten steht, fuhren wir am Donnerstagmittag mit einem Koffer voller Eindrücke wieder zurück nach Hause.


Text: Célia Beckmann (MSS 11)
Fotos: Sören Ahlhaus; pixabay.com