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Zukunft der Pflege – Was erwartet die junge Generation?

Gepostet am 29. Oktober 2018 | Sozialkunde

Am 26. Oktober 2018 versammelte sich der Sozialkunde Leistungskurs der MSS 10 im Rheinhotel „Anker“ Remagen, um eine Podiumsdiskussion mit der Bundestagsabgeordneten Nicole Westig (FDP) zu führen. Die Schülerinnen und Schüler des von Astrid Heilmann-Cappel geleiteten Kurses debattierten mit der FDP-Politikerin 90 Minuten lang über die Gesundheitspolitik in Deutschland. Der Schwerpunkt lag dabei auf der Altenpflege und den dort herrschenden Schwierigkeiten.

Nachdem sich Frau Westig vorgestellt hatte, eröffnete sie die Runde mit einer knappen Stellungnahme zur Problematik der heutigen Diskussion.

Es herrsche ein großer Mangel an Pflegekräften, wenngleich Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ca. 8.000-13.000 neue Stellen in Pflegeberufen schaffen will. Zur Umsetzung dieses Vorhabens müssten Maßnahmen ergriffen werden, um mehr Menschen für einen Beruf in der Pflege zu gewinnen. Denn schon heute sei der Fachkräftemangel in der Branche immens hoch. Dazu gehöre eine bessere Vergütung in der Altenpflege, wie sie bereits in der Krankenpflege vorliege. Wichtig sei generell eine Aufwertung der Pflegeausbildung, die auch eine Akademisierung beinhalte.  Zur Bewältigung des Pflegenotstands seien wir außerdem auf qualifizierte Zuwanderung aus dem Ausland angewiesen. Zum Teil werde dort bereits gezielt nach qualifizierten Kräften gesucht, allerdings seien die Bearbeitungszeiten zur Erlangung einer Arbeitserlaubnis erheblich zu lang. Zum Abschluss des Unterthemas äußerte Frau Westig ihren persönlichen Wunsch nach einem Ideenwettbewerb zur Gewinnung von mehr Menschen für den Pflegeberuf.

Weiterhin sprach sie sich dafür aus, den Einsatz von Robotik in der Pflege zu diskutieren. Durch die Einsetzung von Robotern könne es zu einer Entlastung der Pflegekräfte kommen und sie biete eine Chance für mehr Zuwendung für die Pflegebedürftigen. Aber dazu müssten ethische und rechtliche Fragen, vor allem hinsichtlich des Datenschutzes, umfassend geklärt werden. Generell hinke die Politik ihrer Meinung nach im Bereich der Digitalisierung momentan hinterher. Ein weiterer wichtiger Punkt sei die Pflege durch Angehörige, da über 70% der Pflegebedürftigen zuhause gepflegt würden und die meisten Betroffenen sich dieses wünschten.

Laut Frau Westig sollte diese Art von Pflege durch ambulante Dienste und im Allgemeinen von der Politik mehr unterstützt werden. Dies könnte zum Beispiel durch mehr Kurzzeitpflegeplätze oder durch betriebskita-ähnliche Betriebspflegeheime erfolgen. Außerdem sollte der Leistungskatalog der Pflegeversicherung neu definiert und vor allem flexibler angelegt werden. Abschließend informierte uns die Abgeordnete über die Finanzierung und ihre Lage. Und zwar habe der Bundesgesundheitsminister bereits im Kabinett einen Gesetzentwurf zur Erhöhung des Beitragssatzes zur Pflegeversicherung um 0,5 Prozentpunkte vorgelegt. Über einen höheren Beitrag für Kinderlose denke er derzeit nach. Trotz all dieser Vorkehrungen reiche es an Finanzmitteln nicht aus und der Systemzusammenbruch drohe spätestens dann, wenn die Babyboomer pflegebedürftig würden. Denn immer wenige junge Menschen könnten nicht für immer mehr Pflegebedürftige bezahlen. Deshalb scheint es Frau Westig sinnvoller, jetzt die Finanzierung umzusteuern und Modelle zu entwickeln, die nachhaltig und generationengerecht sind.

Dieser ausführlichen Stellungnahme folgte die Möglichkeit dazugehörige Fragen zu stellen. Zum einen wurde in Erfahrung gebracht, warum nicht schon früher etwas unternommen wurde, da das Problem des Generationenvertrages bereits seit einigen Jahren zutage tritt. Dies erklärte Frau Westig damit, dass viele Politiker bedauerlicherweise in Legislaturperioden dächten, und daher oft nicht weiter als bis zur nächsten Wahl in die Zukunft planten. So werde die junge Generation zu wenig bedacht und der Aspekt der Generationengerechtigkeit komme zu kurz.

Auch kamen mehrere Fragen zum Robotereinsatz auf, größtenteils über die Finanzierung der Herstellung und des Erwerbs, die mit großer Skepsis verbunden waren. Nach ausgiebigem Diskutieren fanden die Investitionen jedoch große Befürwortung, da sie auch in kleineren Aufgabenbereichen wie dem Heben von Pflegebedürftigen die körperliche Belastung von Pflegenden minimierten. Dann sammelte die Gruppe konkrete Faktoren, die den Beruf attraktiver machen würden, unter anderem:

  • das Streichen von unnötigen Dokumentationspflichten
  • mehr Digitalisierung
  • Kampagnen, bessere Organisation der vielen Pflegekräfte, allgemein mehr Aufmerksamkeit generieren
  • mehr Ansehen/ besseres Image durch Akademisierung, die für Augenhöhe gegenüber Ärzten und mehr Verantwortung sorgt
  • Azubis/ Lernende/ Auszubildende nicht bereits wie examinierte Pflegekräfte einsetzen, sondern ihnen ausreichend Praxisanleitung geben
  • besseres Gehalt

Die letzte Frage bezog sich auf ihren Arbeitsalltag und das Verhältnis innerhalb des Bundestages, welches Frau Westig als weitgehend konstruktives Miteinander beschrieb.

Als Abschluss der Veranstaltung äußerte sich jeder Teilnehmer zur Frage, wie er sich wünscht, im Alter gepflegt zu werden.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Großteil eine Pflege zu Hause bevorzugt, während große Pflegeinstitutionen größtenteils abgelehnt werden.

Mit vielen neuen Informationen, Ideen und Ansichten, guter Stimmung und großer Vorfreude auf den zukünftigen Besuch in Berlin endete die Podiumsdiskussion.

Ein großer Dank gilt Frau Westig, dass sie sich trotz der veränderten Rahmenbedingungen (die Diskussion sollte ursprünglich von 13 – 14 Uhr auf Nonnenwerth stattfinden) den gesamten Nachmittag Zeit genommen hat!

Auch Frau Westig war von der Diskussionsrunde angetan: „Mir hat die – durchaus recht anspruchsvolle – Diskussion viel Spaß gemacht und ich danke den Schülerinnen und Schülern für die vielen klugen Fragen“.


Text: Emily Funk (MSS 10)
Fotos: Astrid Heilmann-Cappel; Titel: pixabay.com