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Veränderung – Eine Exkursion ins Museum Koenig

Gepostet am 1. Februar 2019 | Biologie, Exkursionen, MINT

Die Aktualität der Naturwissenschaften, sowohl von Physik und Chemie, als auch im Bereich der Biologie, wird uns in den vergangenen Jahren immer deutlicher vor Augen geführt.

Der Klimawandel ruft uns mit seinen enormen Auswirkungen zu direkter Lebensumstellung auf, die Politik berät über CO2-Grenzwerte und währenddessen führt die immer rascher werdende Wechselbeziehung zwischen menschlich verschuldeten Schäden und wissenschaftlichem Fortschritt zu neuen Erfindungen, um den Ausmaßen dieser drastischen Veränderung entgegenzuwirken.

Während wir schnelle Veränderung seit einigen Jahrzehnten anhand von sichtbarem Klimawandel und Umweltkatastrophen buchstäblich mit eigenen Augen mitverfolgen können, wird der Begriff der Evolution für die Veränderung innerhalb einer sehr langen Zeitspanne verwendet.

Eingeleitet wurde daher die Führung, die wir als 12er Biologie Grundkurs am 23. Januar 2019 im zoologischen Museum Koenig bekamen, anhand eines Abgusses des größten Ammoniten der Welt. Hierbei handelt es sich um ein Fossil eines Meerestiers, das eindeutige Parallelen zu den uns bekannten Tintenfischen aufweist.

Im nächsten Schritt beschäftigten wir uns mit den Evolutionstheorien von Darwin und Lamarck, wobei der wesentliche Unterschied darin besteht, dass die darwinsche Theorie die zufällige Veränderung durch Mutation und Rekombination hervorhebt, während sich Lamarck auf den – „Willen“ des Individuums zur Veränderung beruft.

Um diese Theorien zu veranschaulichen, schauten wir uns im Savannen-Bereich des Museums den Hals einer Giraffe und die auffällige Musterung eines Zebras genauer an. So fragten wir uns zum Beispiel, warum die Giraffe einen enorm langen Hals hat und besonders, wie es zu einer solchen Entwicklung eines tendenziell länger werdenden Halses kommen konnte.

Bei Darwin gäbe es eine Population von Giraffen mit ganz unterschiedlichen Halslängen. Dadurch, dass die Nahrung des Tiers vor allem das Laub der Bäume darstellt, hätten diejenigen einen Vorteil, die die längsten Hälse besaßen. Dieser Vorteil führt bei Darwin zum Überleben des am besten angepassten. Wohlgemerkt: Überleben bezieht sich evolutionsbiologisch nach Darwin nie auf das Individuum (Überleben des Stärkeren), sondern auf die jeweils größere Fitness (Angepasstheit), die sich in der größeren Anzahl von Nachkommen manifestiert.

Nach Lamarcks Vorstellung nähme die Länge eines Giraffenhalses mit verstärkter Nutzung dieses Halses, beispielsweise durch beständiges Strecken nach den Blättern zu. Diese wiederholten Anstrengungen würden so auf die Erbsubstanz zurückwirken, dass es zu einer Vererbung erworbener Eigenschaften käme.

Und auch der Aspekt der Biodiversität, die biologische Vielfalt, ist ein wichtiger Faktor für die Evolution – denn Artenvielfalt treibt Artenbildung voran.

Daraufhin beschäftigten wir uns mit den unterschiedlichen Formen eines Vogeleis, die uns einen Hinweis auf besondere abiotische Selektionsfaktoren geben sollten.

Erst das Rollexperiment des Museumslehrers machte uns klar, worin der Vorteil einer konisch zulaufenden Eiform bestehen kann: bei Felsenbrütern verhindert der enge Rollradius z. B. das Abstürzen der Eier von steilen Felsklippen

Beendet wurde die Führung an einem Zwergwalskelett, an dem sich überraschenderweise Homologien, das heißt Gemeinsamkeiten, welche auf Verwandtschaft hindeuten, zu Vorläufern der Schweine nachweisen ließen.

Aufgrund der Überzeugungskraft von Herrn Schrautemeier hatten wir als abschließendes Highlight die Möglichkeit, von Prof. Dr. Heike Wägele mehr über ihre eigene Arbeit als Forscherin zu erfahren.

Neu war für uns zunächst die Information, dass das Museum Koenig zu 80 Prozent aus Forschung besteht und das eigentliche Museum heute nur ein „Beiprodukt“ der wissenschaftlichen Arbeit ist.

Schon in jungen Jahren durchs Tauchen auf die Unterwasserwelt aufmerksam geworden, beschrieb Frau Wägele, unter anderem auf dem Forschungsschiff Polarstern in der Antarktis unterwegs, unterschiedliche, der Welt bis dahin noch unbekannte Meeresschneckenpopulationen. Sie untersucht heute Verteidigungsstrategien dieser Schnecken, arbeitet aber auch mit sogenannten Photosyntheseschnecken in dieser Gruppe und deren Fähigkeit, Chloroplasten zeitweise einzulagern, um durch deren Photosyntheseprodukte Hungerphasen zu überstehen. Evolution als ständiger Prozess: so ähnlich könnte es auch mit der Symbiose von Pflanzenvorläufern mit Cyanobakterien begonnen haben, aus denen die heutigen endosymbiontischen Chloroplasten ja erst hervorgingen. Da die Landformen dieser Schnecken viel artenreicher sind, geht Frau Wägele davon aus, dass die wegen ihrer Farbenpracht auch „Schmetterlinge der Meere“ genannten Nudibranchia-Schnecken gerade erst beginnen, die Weltmeere in adaptiver Radiation zu erobern

Besonders die leidenschaftlichen Schilderungen der Forscherin über ihren Beruf machten den Aufenthalt für uns zu etwas Besonderem in einer Zeit, in der die Bildung und somit unsere Gesellschaft sehr viel oberflächlicher wird und immer häufiger ein Mangel an Experten und deren tieferem Wissen vorliegt.

Ein gründlicheres Auseinandersetzen mit unserer Mitwelt ist sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung weg von den Spuren der Konsum- und Verschwendungssucht in der uns bekannten Welt.

Zuletzt möchten wir gerne ein herzliches Dankeschön an Herrn Schrautemeier richten, der mit seinem Interesse und seiner Initiative diese Exkursion ermöglicht hat.


Text: Célia Beckmann (MSS 12)
Fotos: Aaron Heinemann (MSS 12), Bernhard Schrautemeier