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Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus: Ein Projekttag für die MSS 11

Gepostet am 27. Januar 2020 | Geschichte, NW gegen Rechts

Am 27. Januar 1945 wurde das Konzentrationslagers Auschwitz befreit. Dieser Tag jährt sich in diesem Jahr zum 75. Mal. 1996 wurde der 27. Januar auf Initiative des damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog zum „Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus“ erklärt. Er steht symbolisch für eine wachsame Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen.

Seit vielen Jahren wird dieser Gedenktag am Franziskus Gymnasium Nonnenwerth als Projekttag für die Jahrgangsstufe 11 gestaltet, bei dem in verschiedenen, meist von Lehrerinnen und Lehrern gestalteten Workshops unterschiedliche Facetten des Themas beleuchtet werden.

In diesem Jahr wurde als besonderer Höhepunkt ein Workshop mit Tilmann Schlömp, dem Intendanten des Musik-Festivals Kissinger Sommer, zum Thema „Entartete Musik“ angeboten. In diesem informierte er über die Gleichschaltung des gesellschaftlichen Lebens in der NS-Zeit, die sich auch auf die Kultur erstreckte und stellte die sogenannte entartete Musik dieser Zeit mit Tonbeispielen vor. Anhand einer genaueren Betrachtung der im Konzentrationslager Terezín (Theresienstadt) entstandenen Oper „Der Kaiser von Atlantis“ von Viktor Ullmann wurde gezeigt, dass die „entartete“ Musik um vieles moderner und lebendiger war als die affirmative Musik der künstlerischen Mitläufer.

Ebenfalls den Bereich der Kunst thematisierte Lehrerin Ursula Dillenburger-Brendt in ihrem Workshop „Entartete Kunst“ – Kunst und Politik des Nationalsozialismus. Hier erfuhren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, wie die Nationalsozialisten Kunst in ihren Dienst genommen haben. Bei der Auseinandersetzung mit den verbotenen, „entarteten“ Kunstwerken wurde herausgearbeitet, was diese zu Beispielen der freien Kunst macht, und der Frage nachgegangen, warum sie die Nationalsozialisten so beunruhigt haben, sodass diese sie aus der Welt schaffen wollten.

Sollte die Erinnerung an den Holocaust als unsere „traurige Pflicht“ weiter am Leben gehalten werden? Darf man sich dem Thema Holocaust bzw. Shoah mit dem Mitteln einer Groteske, einer Tragikomödie nähern? Diese und andere Fragen wurden in dem Workshop von Schulseelsorger Marius Trzaski vor dem Hintergrund des Films „Zug des Lebens“ diskutiert und vertieft.

Im Workshop von Helmut Meixner stand das autobiographische Buch des Friedensnobelpreisträgers und Holocaust-Überlebenden Elie Wiesel im Mittelpunkt. In diesem erzählt der Autor vom eigentlich unsagbaren Leid der Menschen in den Konzentrationslagern von Nazi-Deutschland. In einem rumänischen Städtchen aufgewachsen, tief verwurzelt im jüdischen Glauben, wird er im Alter von 15 Jahren mit seiner Familie nach Auschwitz deportiert. Untermalt wurde die dramatische Lesung von Auszügen aus dem Buch in der Krypta der Kapelle von Stücken des jüdischen Klarinettisten Giora Feidman, der die Kompositionen von KZ-Insassen der Vergessenheit entreißen will.

Anhand der Auswertung von Filmausschnitten von Zeitzeugeninterviews wurden für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eines Workshops von Geschichtslehrer Guido Tempel fünf Schicksale von NS-Zwangsarbeitern sichtbar. Die abschließende Diskussion gab aber auch dem Kampf der Überlebenden um Entschädigung und der politischen und ethischen Debatte über Entschädigungen für Zwangsarbeiter Raum.

Ein zweiter Workshop bei Herrn Tempel unter dem Titel „Die letzten Zeitzeugen – gerät Auschwitz in Vergessenheit“ befasste sich mit den Biographien von Cellistin Anita Lasker-Wallfisch, dem Fußball-Kommentator Marcel (eigtl. Marc Nathan) Reif und dem Schauspieler Christian Berkel.

Den Blick auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen richteten Astrid Heilmann-Cappel und Marcus Pfitzenreuter in ihrem Workshop „Rechtsradikalismus in den sozialen Medien – Was kann man tun?“: Wie kann es sein, dass nach Veröffentlichung eines Liedes über eine „Umweltsau“ Schülerinnen und Schüler von Nazis durch Kölner Straßen gejagt werden? Wie kann es sein, dass Rechte vor dem Haus des Bürgermeisters in Kamp-Lintfort demonstrieren, obwohl dessen Antrag auf einen Waffenschein abgelehnt wurde? Was ist zu tun, wenn im Netz ein Lehrer aus Hilden gefeiert wird, der einem Schüler ins Gesicht sagt, dass man so etwas wie ihn früher vergast hätte?

Anhand konkreter Beispiele aus den sozialen Medien wurden in dem Workshop die Techniken und Mechanismen der rechten Szene vorgestellt und aufgezeigt, wie sehr Hetze und Rechtsextremismus schon den Weg von Social-Media-Plattformen in die Alltagswelt gefunden haben.

So konnte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern einerseits mit Hinweisen und anhand von Beispielen ein Rüstzeug an die Hand gegeben werden, wie man angemessen auf diese zunehmende Bedrohung unserer Demokratie reagieren kann, und andererseits konnten auch gemeinsame Überlegungen angestellt werden, was im persönlichen Umfeld bzw. in unserer Schule angestoßen werden sollte.

Abgeschlossen wurde der Gedenktag durch einen Gottesdienst in der Aula des Franziskus Gymnasium Nonnenwerth.


Text: Sören Ahlhaus
Fotos: Sören Ahlhaus