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Kurzgeschichte zum Sozialpraktikum: Im Rad der täglichen Routine

Gepostet am 7. März 2020 | NW hilft, Sozialpraktikum

Ein wesentlicher Aspekt unserer franziskanischen Identität stellt das Sozialpraktikum dar, das unsere Schülerinnen und Schüler der MSS 10 alljährlich im Januar absolvieren. Während ihres vierwöchigen Einsatzes entwickeln sie Haltungen wie Solidarität, Kooperation, Kommunikation und Engagement für Menschen, die auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen sind. Seine Erfahrungen aus dem Sozialpraktikum hat Vincent Weber (MSS 10) in der folgenden Kurzgeschichte verarbeitet:

Im Rad der täglichen Routine

Die alte Dame saß im Café und aß wie jeden Tag ihr Stück Torte. Es war sehr süß, was ihr sehr gefiel. Es schmeckte nach Schokolade mit Kirschen. So etwas habe ich noch nie gegessen, dachte sie. Der nette junge Mann, dort hinten hinter der Theke, hatte es ihr empfohlen und gesagt, dass er sehr sicher sei, dass es ihr bestimmt sehr schmecken würde. Sie fragte sich, woher er das nur wissen wollte. Sie überlegte, sich noch ein paar Stücke für ihre Kinder und ihren Mann einpacken zulassen. Sie würde sie damit überraschen können. Also sagte sie dem jungen Mann, dass er ihr bitte drei weitere Stück einpacken sollte. Eine Tasse Kaffee später brachte er ihr die bestellten Stücke des ach so leckeren Kuchens. Er fragte sie, ob es ihr geschmeckt habe und ob sie sonst noch etwas bräuchte. Sie bedankte sich für seine freundliche Bedienung, als ihr einfiel, dass sie noch gar nicht bezahlt hatte. Ob der junge Mann neu sei und es einfach vergessen habe, fragte sie sich. „Ich muss doch noch bezahlen“, fragte sie leicht vorwurfsvoll und fing hektisch an, in ihrer Jackentasche zu kramen. Hatte sie überhaupt genügend Geld dabei? Da lächelte der junge Mann nur und meinte: „Das geht heute aufs Haus“. Dies freute die alte Dame natürlich sehr. Allerdings fragte sie sich auch etwas verunsichert, ob er vielleicht etwas von ihr wollte. Könnte sie diese großzügige Geste wohl annehmen, oder steckten dahinter irgendwelche Hintergedanken? Nach einigem Nachdenken entschied sich die alte Dame, dass es wohl einfach nur sehr höflich von ihm war, dass er sie eingeladen hatte.

Sie schaute auf die Uhr und bemerkte, wie spät es geworden war. Sie müsste jetzt mal die Kinder von draußen holen. Die spielten immer so gerne draußen, aber sie wollten ja noch zusammen den leckeren Kuchen essen. Die alte Dame stand also auf und suchte den Ausgang. Das Café erschien ihr so groß und unübersichtlich. Sie ging unentschlossen einen Gang entlang. Plötzlich wurde ihre Aufmerksamkeit auf ein Gitter gelenkt. Wer hat denn das Gitter dort hingelegt, fragte sie sich. „Das gehört hier doch bestimmt nicht hin“, sagte sie empört. Dann nahm sie es und ging wieder zurück ins Café. Sie wollte es jemanden geben, der wüsste, wohin damit. Da kam ihr auch schon der junge Mann entgegen, der das Gitter freundlich in Empfang nahm. Er bedankte sich für ihre Hilfe und fragte, wohin sie denn jetzt gehen wollte. Sie zögerte und schwieg unschlüssig.

Sie verspürte das Gefühl von Hunger und Durst, weshalb sie überlegte, ob es nicht nun Zeit wäre, Kaffee und Kuchen zu essen. Also fragte sie den jungen Mann, ob sie denn hier ein Stück Kuchen und etwas zu trinken bekommen könnte. Er jedoch meinte nur, dass das Café bereits geschlossen war. Sie ärgerte sich ein bisschen, dass sie so spät erst gekommen war. Enttäuscht drehte sie sich rum. „Die Kinder!“, fiel ihr ein. „Die Kinder!“. Ihre Schritte wurden schneller. Der junge Mann holte sie ein und fragte, was denn mit ihren Kindern sei. Sie erzählte ihm, dass sie ihre Kinder von draußen holen musste. Er antwortete aber, dass sie sich keine Sorgen machen sollte, da ihre Kinder schon angerufen hatten, um Bescheid zu sagen, dass sie erst in einer Stunde abgeholt werden wollten. Er nahm sie vorsichtig am Arm und führte sie zu einem Sessel, wo sie Platz nahm. „Ruhen Sie sich noch ein wenig aus. Ich sage Ihnen dann Bescheid, wenn Sie Ihre Kinder abholen können“, sagte er.

Der junge Mann blickte auf die Uhr. Gleich beginnt, wie jeden Nachmittag, die Bewegungsstunde im Gemeinschaftsraum des Altenheims, in der er mit den Bewohnern Ball spielen wollte. Vorher könnte er noch das Heizungsgitter wieder anbringen, dass die demenzkranke Dame aus Zimmer 4 abmontiert hatte. Als er den Gang entlangging, blickte die alte Dame ihm lächelnd hinterher. Ob es bald den Kuchen gab, fragte sie sich plötzlich, und starrte in den Garten des Altenheims.


Text: Vincent Weber (MSS 10)
Foto: pixabay.com