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Leistungskurs Sozialkunde auf Exkursion in der Hauptstadt

Gepostet am 29. Juni 2018 | Exkursionen, Fahrten, Sozialkunde

Am Montag, dem 18. Juni, brachen wir, der Sozialkunde-LK der MSS 11, zu unserer viertägigen Berlinfahrt auf. Bereits um 9:00 Uhr trafen wir uns am Bonner Hbf, stiegen in Köln in den ICE um und kamen ohne Zwischenfälle um etwa 14:30 Uhr in unserer Unterkunft, dem Kolo 77, an. Diese bot uns neben geräumigen Appartements mit eigener Küche auch einen Hof, in dem wir abends noch gelegentlich beisammensaßen und Karten spielten.

Von dort aus konnten wir schnell die nächstgelegene Straßenbahnhaltestelle erreichen, weshalb wir abends leicht zurück gelangen konnten und Berlin auch in Kleingruppen am Abend individuell erleben konnten.

Nach dem Einkaufen und Beziehen der Zimmer nachmittags stand eine Stadtrundfahrt mit der Buslinie 100 auf der Tagesordnung. So bekamen die Berlinneulinge unter uns einen recht umfassenden ersten Eindruck von der Metropole. Wir stiegen an der Gedächtniskirche aus und kamen noch rechtzeitig um 18 Uhr zum täglichen Abendgebet. Eine schöne Stimmung durch die blauen Glasfenster und eine gute Möglichkeit, zur Ruhe zu kommen.

Anschließend hatten wir Zeit zur freien Verfügung, wodurch wir die Gelegenheit bekamen, uns ein eigenes Bild von der Hauptstadt zu machen.

Der Dienstag stand ganz im Zeichen der deutschen Teilung und der Geschichte des zweiten deutschen Staates, der DDR. Morgens nach dem Frühstück machten wir uns auf den Weg zum Nordbahnhof, welcher an der ehemaligen Grenze zwischen Ost- und Westberlin liegt. Im Bahnhof selber gab es Informationstafeln über den U-Bahn Verkehr im geteilten Berlin. Die Tunnel Westberlins führten teilweise unter der Mauer hindurch auch in die DDR. Die dort gelegenen Stationen wurden zugemauert und von Soldaten gesichert. Trotzdem versuchten viele DDR-Bürger über diesen Weg in den Westen zu flüchten.

Danach sahen wir uns das Mauerdenkmal an der Bernauer Straße an. Hier sind Teile der Mauer noch erhalten, an anderen Stellen ist sie durch durchlässige Metallstäbe angedeutet. In einem abgegrenzten Teil ist sogar noch der gesamte Todesstreifen erhalten. Hier konnten wir sehen, wie schwierig es sein musste die Mauer zu überwinden. Es zeigte uns auch, wie verzweifelt die Menschen in der DDR gewesen sein mussten, dass sie versucht haben diese Mauer zu überwinden. Beeindruckend waren auch die Audioberichte von Augenzeugen, die man an unterschiedlichen Stellen abrufen konnte, so z.B. auch der eindringliche und verzweifelte Appell vom damaligen Westberliner Bürgermeister Willy Brandt an die Soldaten der Nationalen Volksarmee, nicht auf die eigenen Landsleute zu schießen. Vergeblich, wie man an den vielen Mauertoten sieht. Für die an dieser Mauer Gestorbenen gibt es ein eindringliches Mahnmal mit Fotos und kurzen biographischen Anmerkungen: Fast alles junge Menschen.

Auch besuchten wie die in unmittelbarer Nähe liegende Gedenkstätte für die Versöhnungskirche. Diese wurde von der DDR Regierung gesprengt, weil an ihrer Stelle die Mauer gebaut wurde. Es wurde um jeden Preis versucht, die Grenzen dicht zu halten.

Danach besichtigten wir die ehemalige Zentrale des Ministeriums für Staatssicherheit (Stasi). Dort gibt es eine Ausstellung zu den Arbeitsweisen der Stasi. Zu ihren Methoden und Praktiken, Aufgaben und Befugnissen, Rekrutierung, Propaganda und Bedrohung und ihrer Ausrüstung und Technik. Ausgewählte Beispiele aus unterschiedlichen Stasi-Akten dokumentieren die Aktivitäten des MfS gegen die eigene Bevölkerung. Auch die Diensträume Erich Mielkes sind im Original erhalten.

Als letzter Punkt stand am Dienstag das Stasigefängnis Hohenschönhausen auf dem Programmplan. Hier erhielten wir eine Führung von einem Zeitzeugen, der als 24-jähriger 1985 versucht hatte über Bulgarien in die Türkei zu fliehen. Die sehr authentische Führung, während der persönliche Erlebnisse an einzelnen Orten geschildert wurden, war eine gelungene Abwechslung im Vergleich zu anderen Museen, in denen man von einem studierten Historiker geführt wird. Der Zeitzeuge erzählte uns von Begegnungen mit anderen Häftlingen, mit denen er sich über Morsezeichen oder die Abwasserrohre unterhielt und über Stasimitarbeiter, die sich als Mithäftlinge ausgaben, um Vertrauen zu gewinnen und Geständnisse zu erhalten. Wir könnte uns durchaus vorstellen die Führung mit einem anderen Zeitzeugen zu wiederholen, denn es hat jeder seine eigene Sichtweise und seine eigenen Anekdoten, sodass jede Führung anders ist.

Damit ging das offizielle Programm des Dienstages zu Ende. Einige blieben in der Stadt, um dort Fußball zu schauen, die meisten fuhren zurück und aßen gemeinsam zu Abend bzw. spielten Karten.

Am Mittwochmorgen begann unser Tag mit einem Besuch im deutschen Bundestag, in dem wir uns einen Vortrag über die Arbeitsabläufe und dessen Geschichte anhörten. Hierbei erfuhren wir unter anderem, dass der deutsche Bundesadler, der im Plenarsaal des Bundestages hängt, auch liebevoll “Fette Henne” von den Abgeordneten genannt wird und insgesamt 2,5 Tonnen schwer und 58 Quadratmeter groß ist. In den 21 bis 22 Sitzungswochen im Jahr debattieren die Abgeordneten über neue Gesetze. So beschlossen die Abgeordneten in der vergangenen Wahlperiode von 2012 bis 2017 insgesamt 555 Gesetze. Anschließend besuchten wir noch die Glaskuppel des Reichstages, die die Transparenz unserer parlamentarischen Demokratie symbolisiert. Von hieraus hatten wir einen weiten Blick über unsere Hauptstadt Berlin.

Nach der Besichtigung des Bundestages, gingen wir nur ein paar Straßen weiter zum Holocaust-Mahnmal. Es besteht aus verschieden hohen Beton Pfeilern und erstreckt sich über etwa einen Häuserblock. Die Pfeiler stehen für die vielen jüdischen Gemeinden, welche in der NS-Zeit betroffen waren und erlauben durch ihre gleichmäßige Anordnung, zwischen ihnen hindurch zu gehen. Da man kurz nach Eintritt in das Werk nicht mehr über die Pfeiler hinüberschauen kann, verliert man sich in diesem riesigen Feld aus Beton und es wirkt fast wie ein Labyrinth. Unter dem Mahnmal befindet sich eine Ausstellung, welche nicht nur zur Information dient, sondern auch den Besucher mitfühlen lässt. Dies wird durch das Ausstellen von großen Fotos jüdischer Menschen aber auch durch Tagebucheinträge, Briefe, Gebete und kurze jedoch aussagekräftige Texte von inhaftierten Juden erreicht. Die Ausstellung zeigte viele Bilder von glücklichen Familien und nicht nur schreckliche Szenen aus KZs, was es unserer Meinung nach einfacher macht, sich mit diesen Menschen zu identifizieren. Es war eine sehr bewegende Erfahrung.

Unser nächster Programmpunkt war ein Besuch der Landesvertretung Rheinland-Pfalz in Berlin. Nach einer freundlichen Begrüßung und einer Einführung in die Aufgaben der Institution, besichtigten wir die Dachterrasse, von der aus man einen atemberaubenden Blick über Berlin hatte. Unter anderem konnten wir so auch das nahe gelegene Mahnmal für den Holocaust aus einer anderen Perspektive betrachten, was die vorgegangene Besichtigung nochmals abrundete.

Anschließend wurden wir zu einem Essen in den hauseigenen Weinkeller eingeladen, was uns eine kleine Verschnaufpause von dem doch anstrengenden, aber trotzdem schönen Programm verschaffte. Die Besonderheit hierbei war, dass uns ein ehemaliger Koch des berühmten Hotels Adlon in Berlin bekochte.

Nach einer etwas längeren Pause, die uns zur freien Verfügung stand, wurden wir nochmals zu einem Essen eingeladen; diesmal von Frau Westig, Mutter zweier Schüler auf Nonnenwerth, die uns von ihrer Arbeit und ihren Erfahrungen als neue Bundestagsabgeordnete (FDP) leidenschaftlich berichtete. Anschließend gingen wir in eine angeregte Diskussions- bzw. Fragerunde über, bei der Frau Westig bereit war, sowohl sachliche als auch persönliche Fragen zu beantworten. Da sie auch das Amt der Schriftführerin im Bundestag innehat, konnte sie uns auch z.B. über das überaus ausfällige und despektierliche Benehmen der AfD-Abgeordneten berichten. Eine schwierige Situation für die Arbeit des Bundestags insgesamt.

Abgerundet wurde der Tag von einem Besuch im Kabarett „Distel“ mit der Vorstellung “Wenn Deutsche über Grenzen gehen”. Ein live Ensemble begleitete eine gelungene politisch satirische Vorführung, auch wenn wir die ein oder andere Referenz nicht genau zuordnen konnten.

Am Donnerstagmorgen hieß es dann für uns besonders früh aufzustehen. Nach dem letzten Frühstück in unserer Unterkunft machten wir uns noch etwas müde auf den Weg zum Hauptbahnhof, um unser Gepäck zunächst dort in Schließfächern zu deponieren.

Danach fuhren wir ins Auswärtige Amt der Bundesrepublik Deutschland zu einem Vortrag mit Diskussion zur Außenpolitik und zu den Aufgaben des Amtes. Die Komplexität der Aufgaben des Amtes wurden uns in einer anschaulichen Präsentation nahegebracht. Besonders interessant war es, dass der für uns zuständige Referent in der Abteilung arbeitet, die den Atomdeal mit dem Iran aushandelte und nun auch über mögliche Szenarien nach dem Ausstieg der USA nachdenkt und Stellungnahmen für Bundesaußenminister Heiko Maas entwirft. In der sich anschließenden Diskussion kamen nicht nur die aktuell besonders problematischen transatlantischen Beziehungen zur Sprache, sondern wir wurden auch über die Perspektiven, die das Auswärtige Amt engagierten jungen Menschen bietet, informiert. Für einige von uns sicher eine bedenkenswerte berufliche Perspektive – vor allem für diejenigen, die im Leistungskurs Französisch sind. Denn neben Englisch ist Französisch (Level B 2) Voraussetzung für den diplomatischen Dienst.

Anschließend fuhren wir zum Bundesrat, wo wir nach einem überaus freundlichen Empfang eine Hausführung erhielten. Auf der Besuchertribüne wurden wir über die Aufgaben des Bundesrates informiert. Zusammen mit einer 12. Schulklasse aus Brandenburg führten wir danach ein Rollenspiel zum Thema: „Führerschein mit 16“ durch. Jeder nahm am Tisch einer der Bundesländer Platz und hatte die Aufgabe, eine Stellungnahme zum Entwurf des Verkehrsministers auszuarbeiten. Louisa, die die Rolle der Bundesratspräsidentin einnehmen durfte, leitete die Sitzung und zählte die Stimmen bei der abschließenden Abstimmung. Ergebnis: der Gesetzentwurf wurde mehrheitlich mit 35 Stimmen abgelehnt.

Dadurch, dass jeder von uns unterschiedliche Länder mit ihren Interessen und Koalitionen vertrat, mussten wir uns in die Spezifika einarbeiten und bekamen so einen sehr authentischen Einblick in die wirkliche Arbeit der Bundesratsmitglieder.

Eine schöne und interessante Kursfahrt nach Berlin neigte sich dem Ende zu. Auf der langen Rückfahrt hatten wir noch viel Gelegenheit uns auszutauschen. Alle waren sehr begeistert, dass wir durch das Engagement unserer Kurslehrerin dieses Angebot wahrnehmen durften. Ein großes Dankeschön!


Text: Leistungskurs Sozialkunde (MSS 11)
Fotos: Astrid Heilmann-Cappel, Sören Ahlhaus, pixabay.com