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The Mideast Conflict: Peace is Possible!

Gepostet am 12. Februar 2020 | bilingual, Geschichte

Diese überraschende Perspektive stellte uns der Nahost-Experte, Herr Ministerialdirektor a.D. Michael Mertes vor, den unsere Kursleiterin Frau Dr. Thimann-Verhey Mitte Januar als Referent in unseren bilingualen Geschichtskurs MSS 12 eingeladen hatte. Auch Schulleiterin Frau Monreal nahm an dieser besonderen Schulstunde teil, die eine Art Abschluss der aktuellen Unterrichtseinheit zum Nahostkonflikt bildete.

Herr Mertes hat ein interessantes Berufsleben hinter sich, war viele Jahre lang im Bundeskanzleramt tätig, u.a. als Chef-Redenschreiber für Altbundeskanzler Helmut Kohl, und hat danach bis 2014 drei Jahre lang das Auslandsbüro der Konrad-Adenauer-Stiftung in Jerusalem geleitet. Er lebte und arbeitete also im Zentrum von drei Weltreligionen, in einem Land mit verschiedenen Kulturen, in einer als besonders gefährlich angesehenen Region der Welt.

Die interaktive Präsentation, mit der Herr Mertes die Stunde eröffnete, bot eine vielseitige Grundlage für die anschließende Frage- und Diskussionsrunde, alles in englischer Sprache. Wir waren vor allem interessiert an seinen Erfahrungen vor Ort und seiner Einschätzung der komplizierten Situation in Israel und Nahost. Zwei Leitfragen für die Stunde boten Orientierung: erstens, warum gelingt es Juden/Israelis und Palästinensern/Arabern seit Jahrzehnten nicht, friedlich zusammenzuleben? Und zweitens, von welchen Lösungsmöglichkeiten hat Herr Mertes in seiner Auslandszeit gehört, gelesen, gesprochen, welche könnte er sich selbst vorstellen?

Zunächst präsentierte er die theoretisch vorstellbaren Varianten der sog. Ein-Staaten-, bzw. Zwei-Staaten-Lösung, wie sie auch tatsächlich diskutiert werden:

  • zwei Staaten für zwei Völker
  • ein Staat für zwei Völker (bi-nationaler Staat)
  • ein Staat für ein Volk (ein ausschließlich jüdischer oder ein ausschließlich palästinensischer Staat)
  • eine israelisch-jordanische Konföderation (Teilung der Westbank zwischen beiden Staaten)
  • ein Volk mit einem Staat, ein Volk ohne einen Staat.
Nach: Palestinian-Israeli Pulse: A Joint Poll (2016-2018). Final Report, S. 7

Wir merkten anhand dieser grundsätzlichen Möglichkeiten schnell, warum eine Lösung so schwierig ist: fast immer gibt es Verlierer. Überdies sei es schon begrifflich ungenau, von den Palästinensern zu sprechen, weil es zwar der politisch korrekte Oberbegriff sei, es sich aber dennoch nicht um ein Staatsvolk handele. Und wie stünde es mit der notwendigen gegenseitigen Anerkennung – bei welcher staatlichen Lösung auch immer?

Als unser Referent allerdings darzulegen begann, dass er eine Lösung der vielschichtigen Konflikte dennoch für möglich ansieht, wurden wir sehr gespannt und hellhörig: seiner Meinung ist das Wichtigste und Grundlegendste, dass die beteiligten Menschen vor Ort – Politiker/-innen wie Vertreter/-innen der Zivilgesellschaft – miteinander reden (wollen) und auch wirklich zu Gesprächen zusammenkommen, anstatt sich durch Mauern („Jerusalem Wall“) und gegeneinander abgegrenzte Siedlungsgebiete trennen zu lassen. Na, wenn das die Lösung sein könnte? Ergänzend sollten konkrete Friedensaktivitäten vor allem von Regionalkräften in Israel wie auch in seinen Nachbarländern ausgehen und weniger von externen Mächten und Politikern in anderen Regionen der Welt.

Mit seiner Frau habe er viele gute Bekannte und Freunde sowohl unter Israelis als auch unter Palästinensern gefunden, habe auch mit diesen beiden Hauptgruppen der Bevölkerung gut zusammengearbeitet, doch untereinander seien diese nur relativ wenig zusammen gekommen; oftmals kennen sich beide Bevölkerungsgruppen kaum, weil sie sich einfach nicht sehen und nach einiger Zeit auch nicht mehr richtig wüssten, was auf der jeweils anderen Seite der Mauer vor sich ginge. Zwischenmenschliche Spannungen und ‚Mauern in den Köpfen’ seien die Folge, oft noch verstärkt durch Feindbilder und imaginäre Grenzen zwischen den Kulturen – teils seit Generationen gefestigt. Gefährlich und zerstörerisch sind vor allem radikale Kräfte.

Hoffnung erweckte Herr Mertes dennoch vor allem, als er auf die Jugend und die jüngeren Menschen zu sprechen kam: sie seien offener für die jeweils andere ethnische und/oder religiöse Gruppe als die älteren Generationen und würden zeigen, dass es möglich sei, die Vergangenheit langfristig und gemeinsam zu überwinden. Das hat uns gefallen und sehr angesprochen! Positiv sieht er gemeinsame Projekte in Kultur und Wirtschaft. Also, vielleicht tatsächlich die Hoffnung: Frieden ist möglich?! So zumindest legt es der Titel der gleichnamigen virtuellen Genfer Initiative (Geneva Initiative / Geneva Accords) zur Lösung des Nahostkonflikts auf dem Verhandlungsweg nahe, die wir auch vorgestellt bekamen.

Auch, wenn eine einzelne Schulstunde natürlich viel zu kurz für die Diskussion eines so komplexen und schon lange existierenden Konfliktes aus Geschichte und Politik, Religion und Gesellschaft, Wirtschaft und Militär ist, haben wir doch sehr interessante Einblicke und Erfahrungen von jemandem gehört, der selbst in Jerusalem gearbeitet hatte und vielfältig eingebunden war; er galt uns gewissermaßen als “man on the spot“.

Wir danken Herrn Mertes für seine Ausführungen und würden uns sehr freuen, wenn dieser erste Besuch von ihm auf Nonnenwerth nicht sein letzter war. Ebenso danken wir unserer Kursleiterin für ihre Initiative, einen hochkarätigen Referenten zu uns eingeladen zu haben. Vielleicht ergibt sich bis April – bis zum Unterrichtsende vor unseren Abiturprüfungen – noch einmal eine Gelegenheit für weitere Gespräche, die dann auch in der größeren Runde unserer Stufe den Mitschülern z.B. aus den Leistungskursen Geschichte und Sozialkunde zugute kommen würden.


Text: Fabian Schlott (MSS 12)
Fotos: Frau Dr. Thimann-Verhey, Folien zur Verfügung gestellt von Herrn Dr. Mertes